Mein letzter Erfahrungsbericht

mit ganz vielem und herzlichem Dank, an alle die mich, wie auch immer, im letzten Jahr unterstützt haben und mich immer noch unterstützen – Freunde, Familie, Spender und nicht zuletzt der Verein, also Inge, Robbi und Carsten: DANKE EUCH!!!!

 

 22.09.2011, München

6. Erfahrungsbericht

Verena (nicht mehr) in St. Petersburg

Seit meinem letzten Bericht ist eine ganze Menge passiert.

Vom 11. bis zum 15. Juli war ich mit einer Gruppe von Behinderten aus Peterhof im Sommerlager am Meer.
Ich war speziell für Olga, eine Spastikerin aus meinem Zimmer, zuständig. Es war richtig spannend und schön, sowohl einige der Bewohner, als auch meine Mitarbeiter einmal näher und in einem anderen Umfeld kennen zu lernen.
Aber nach vier Tagen Rollstühle über den Sand bugsieren und einem durchwachten Nachtdienst (Da hatte einer Angst, wir nehmen ihn nicht mit zurück.) war ich dann doch total erschöpft und froh, wieder nach Sankt Petersburg zu kommen.
Ich habe gemerkt: Es war zwar schön, mal wieder in der Natur zu sein, aber danach in die Stadt zurückkommen, fühlt sich so richtig gut an – so ein wohliges Gefühl, fast wie Heimkommen.

Drei Stunden nach meiner Rückkehr in die Stadt musste ich Luise, eine Schulfreundin, die mich zwei Wochen lang besucht hat, vom Bus abholen.
Wir waren vier Tage lang gemeinsam in Moskau, wo wir einen guten Freund, Nikolai, besucht und die Stadt bei glühender Hitze bestaunt haben.
In der zweiten Woche hat sie mich einmal zur Arbeit begleitet und ansonsten Sankt Petersburg auf eigene Faust erkundet, während ich gearbeitet habe.
Es war toll, einer meiner Freundinnen live zeigen zu können, wie mein Leben hier ist.
Mir ist bewusst geworden, ich werde zwar allen Fotos zeigen und Erlebnisse schildern können, aber keiner wird so wirklich wissen, wovon ich rede, wenn er oder sie nicht wirklich hier war – das ist schade.

Direkt nach der eher aktiven, aufregenden und auch anstrengenden Zeit im Sommerlager und mit Luise, habe ich dann vier Tage mit Filipp, einem Freund und Mit-Freiwilligen, in Estland verbracht.
Der erholsame Urlaub in Poltstamma, wo seine Familie ein Haus geerbt hat, war zu dem Zeitpunkt genau das Richtige für mich.

Mitte bis Ende August sind alle Deutschen Freiwilligen -außer mir- ausgereist und ich war bald die einzige Freiwillige auf der Station.
Es war zwar total anstrengend, weil ich auf einmal für vier, und nicht nur für ein Zimmer, zuständig war und mit dem Füttern und Zähneputzen allein war. Aber es war auch spannend, weil sich so die Möglichkeit bot, mehr und intensiver Zeit mit Bewohnern zu verbringen, für die normalerweise andere Freiwillige zuständig waren.

Leider waren auch meine Russischen Freunde in dem Zeitraum im Urlaub und nicht in der Stadt, da Semesterferien waren. Also war ich, bis meine Nachfolger kamen, für circa eine Woche ganz allein.

Als aber diese etwas einsame Woche durchgestanden war, kamen Paul und Stefanie, die zwei neuen Freiwilligen, die von Miteinander in Russland e.V. entsendet werden und das kommende Jahr in St. Petersburg verbringen werden.
Ich habe die beiden vom Bus abgeholt und ihnen praktisch im Schnellverfahren sowohl ihre Arbeit in Peterhof, als auch die Stadt, gezeigt.
Es war spannend und wirklich schön, die beiden kennen zu lernen und ihnen alles zeigen zu können.
Ich habe mich an meine Ankunft ein Jahr zuvor erinnert gefühlt und war fast ein wenig neidisch, dass die beiden noch ein ganzes Jahr dort vor sich haben. Immerhin war mein Jahr richtig, richtig super und ist jetzt leider vorbei.
Zurückblickend ist meine Zeit in St. Petersburg, die mir am Anfang unglaublich lang erschien, wie im Fluge vergangen. Mal sehn, wie es den beiden in einem Jahr damit geht.

Nach lediglich zwei gemeinsamen Tagen in St. Petersburg habe ich Stefanie und Paul sich selbst überlassen und bin am 04. September morgens in einen Flieger nach Deutschland gestiegen.

Aus dem vergangenen Jahr in Russland nehme ich viele wertvolle Erfahrungen, wunderschöne Erinnerungen und neue Freunde mit und ich bin mir sicher, dass es mich, sobald das nötige Geld und die nötige Zeit zur Hand sind, dorthin zurück ziehen wird.
Der Abschied von meinen Freunden dort, der Stadt und auch von den Leuten bei der Arbeit, fiel mir zwar schwer, aber ich habe mich auch schon riesig auf das gefreut, was in Deutschland auf mich wartete.

Schon 6. September, bin ich mit Hilfe meiner Eltern nach Heidelberg umgezogen, wo ich ab Oktober Grundschul-Lehramt in den Fächern Englisch, Deutsch und Religions-Pädagogik studieren werde.
Was das betrifft, so bin ich ein wenig aufgeregt, wie das Studentenleben wohl so wird. Ich hoffe, dass ich den Neuanfang genauso gut meistern werde, wie mir das vor einem Jahr in St. Petersburg gelungen ist.
Ich freu mich schon riesig, wieder haufenweise neue Leute, und hoffentlich auch Freunde, kennen lernen zu können und praktisch nochmal „eine ganz andere Welt“ zu entdecken.

Nun reise ich bis zum Beginn des Semesters herum und besuche meine Freunde und Verwandten, die ich ein Jahr lang nicht gesehen habe.
Es ist toll, alle wieder zu sehen und sich über das austauschen zu können, was man in einem Jahr so voneinander verpasst hat. Vor allem ist es spannend, zu erfahren, was meine Schulfreunde inzwischen treiben.

Viele liebe und äußerst zufriedene Grüße

von
Verena

 

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