März

Monat März
Der März. Ende des Winters? Nein, es schneit weiter. Nur an Temperatur hat es ein wenig gewonnen. Tagsüber schon mal im positiven Celsius Bereich, hilft die „wärme“ den Schnee in einen dunkel braunen, an vielen Stellen schwarzen Matsch zu verwandeln. Natürlich nicht besonders angenehm, zumal das spazieren gehen mit Rollstühlen unmöglich ist. Wenigstens für Katja und Leila lässt sich der ein oder andere Tag finden um in Stiefeln durch den kleinen Wald zu stapfen.

Auf der Station pendelt sich langsam ein sehr familiäres Arbeitsverhalten ein. Inzwischen kann ich fast alle meine staatlichen Mitarbeiterinnen beim Namen nennen und die Arbeitsverteilung ist einfach und klar. Das wird mir sehr fehlen, wenn ich denn irgendwann mal zurück auf die dritte Station ziehen sollte. Die Sanitarkas wechseln Windeln zwei mal während meiner Arbeitszeit bei allen Bewohnern. Gegen 10 Uhr Morgens und vier Uhr Nachmittags. Wenn in der Zwischenzeit etwas „in die Hose geht“ bleibt mir nichts anderes übrig, als das wechseln selber zu übernehmen. Denn auch wenn ich mich mit einigen von ihnen sehr gut verstehe, bekomme ich von allen, auf die Frage ob sie das Wechseln übernehmen, die Antwort „ja, gleich“. Auch die Aufgabe Katja zu fesseln, wenn ich gehe übernehme ich häufig selbst. Auch wenn es, meiner Meinung nach, inzwischen nicht mehr nötig ist, da sie sich an die neue Umgebung gewöhnt hat, werde ich immer wieder angeschrien, wenn ich es denn mal wieder „vergessen“ habe Bescheid zu geben. Also wird sie jetzt häufiger von mir zusammen gebunden, damit sie sich auch ja nicht in die Augen sticht. So werde ich weniger angeschrien und kann zu dem noch Katja so locker zusammenbinden, dass es für sie bestimmt ein wenig angenehmer ist, als von der rauen Hand einer Sanitarka gefesselt zu werden.

Sonst ist nicht besonders viel passiert, außer dass das Geld für den April welches die Bewohner für die Tee und Kekse bekommen, aus irgendwelchen Gründen niemals die neunte Station erreicht hat. Unsere Bewohner bekommen jeden Monat eine kleine Rente. Dieses Geld wird bei den unmündigen Bewohner unseres Heimes zu 100 % von staatlichen Mitarbeitern verwaltet. Ein Teil davon wird auf der dritten Station von der Sozialarbeiterin dazu verwendet Tee, Kekse oder Kuchen für die Leute zu kaufen. Da auf unserer Station fast alle unmündig sind und ihrem Freiwilligen nicht sagen können, was er für sie einkaufen soll, gibt es jeden Tag Tee. Eine Sozialarbeiterin gibt es auf der neunten Station auch, allerdings ist sie nur ein, zwei mal in der Woche auf der Station, was die Qualität des tee-trinkens ein wenig erhöht. Zum Beispiel gibt es schon mal Würstchen, Joghurt oder eine Packung Schmelzkäse zum Tee. Wie auch immer, im April für meine Mädels nicht, da wie gesagt das Geld ausgeblieben ist.

 

Monatsbericht_März_Paul_Koll

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