Es läuft… – Humor ist gefragt oder Armtraining mal anders.

hmm

Heute ist Mittwoch. Mein freier Tag. Da ich gestern recht lang mit drei meiner netten Mitfreiwilligen auf meinem Balkon den langen Sonnenuntergang, der mittlerweile über einige Stunden nahtlos in den Sonnenaufgang übergeht, genossen hatte, schlief ich bis um elf. Dann stand ich auf, frühstückte ausgiebig und machte Pläne für den Tag. Während des Frühstückes schrieb ich einen Einkaufzettel, den ich abarbeiten wollte, wenn ich meinen angekündigten Besuch von der Metro abhole. Sie wollte dort gegen 3 Uhr ankommen.

Bis dahin wollte ich ein wenig die Wohnung aufräumen und meine Sachen sortieren, um meinen Eltern, die mich nächste Woche besuchen kommen (ich freue mich!!!), schon ein paar Dinge, die ich nicht mehr benötige, mitzugeben. Ich rechnete damit, nochmal Wäsche anzusetzen…

Nachdem ich das Bad geputzt und die Wohnung gekehrt hatte, wollte ich den Müll hinausbringen. Als ich den Mülleimer aus dem Schrank zog, bemerkte ich Wasser unter ihm. Mir waren schon beim letzten Mal ein paar Tropfen Wasser aufgefallen, aber da es nicht viel war und sich im Eimer auch ein wenig Wasser befand, schob ich es auf einen undichten Eimer. Da nun diesmal kein Wasser im Eimer war, entschloss ich mich, die Ursache zu suchen. Nachdem ich den Schrank vollständig ausgeräumt hatte, verfolgte ich die Leitungen, suchte ein Leck… Das fand ich dann ziemlich offensichtlich an einem Hahn, der Teil einer ziemlich heiklen Rohrkonstruktion war. Es tropfte nicht nur, es lief richtig auf ihm heraus. Ich sah eine Leitung, den Hahn als Verbindungsstück zu einem kleinen Kästchen, an diesem Kästen befand sich ein Schlauch, der um 90° abgeknickt war, so ein geriffelter Plasteschlauch, die schon ungeknickt Gefahr laufen, an den Riffeln einzureißen. Der Knick war nötig, da zwischen dem Kästchen und dem Schrankboden nur ca. 1 cm Platz war.  Das war halb 2.

Ich holte Lappen und Eimer, wischte alles auf. Dann wollte ich versuchen, den Hahn zu bewegen, musste aber zu meinem entsetzten Erstaunen feststellen, dass er mir in die Hand fiel, als ich ihn anfasste. Ganz offensichtlich war das Gewinde abgebrochen, hatte sich aufgelöst…ich weiß es nicht. Ich steckte ihn wieder drauf.

Hektik. Ich suche Hähne um das Wasser abstellen zu können, doch der einzige Hahn, den ich finden kann, halte ich in meiner Hand. Aufwischen. Dann Wohnung absuchen, kein Schacht, Wasserrohre, die einfach in der Wand verschwinden. Aufwischen. Ein Schacht im Bad gefunden, riesige Rohre dahinter. Erst traue ich mich nicht, dann versuche ich die Hähne zu drehen. Einer dreht sich, aber mit dem Wasser passiert nichts. Der andere ist fest, ich habe Angst ihn auch in der Hand zu haben, also lasse ich es. Aufwischen. Telefon suchen, Office anrufen. Aufwischen. Lage schildern, auf Rückruf warten. Aufwischen. Rückruf für Nachfrage. Aufwischen. Warten. Aufwischen. Viertel drei wurde mir mitgeteilt, dass man den „Meister“ angerufen habe, er komme zwischen 4 und 8. Zwischen 4 und 8? Ja, man habe gesagt, er soll sich beeilen, aber es geht nicht. Ob ich denn bis dahin weiter aufwischen könne.    Nun ja, habe ich eine andere Wahl?

So saß ich also bei sehr schönem Wetter vor einem Küchenschrank und wischte auf. Als Ina dann gegen dreiviertel vier bei mir ankam, hatte ich gerade die 5. Schüssel Wasser voll und Unterarme wie Popeye. Durch Inas  wohltuende Ablösung hatte ich Zeit nachzudenken, was man denn benutzen könnte, um dieses dümmliche ständige Wischen zu unterbrechen. Ich nahm den Hahn ab, wir checkten, ob es nur dort hinauslief. Dann nahmen wir eine Wasserflasche und stellten sie schräg daran. So wurde ein Großteil des Wassers von ihr aufgenommen und wir mussten weniger wischen. Die Wasserflasche (1 l) füllte sich im 7min-Abstand. So konnten wir sogar in Ruhe essen und mussten währenddessen nur zweimal die Flasche leeren.

Gegen halb sieben klingelte es an der Wohnungstür. Ich schloss die Tür auf, ein Mann zog sie auf und trat ein. Er sah aus wie ein Spaziergänger, hatte eine kleine sportliche Männerhandtasche um. Er sagte nichts und trat ein. Auf meine Frage, ob er der Monteur sei, antwortete er: „Yes, it is.“ Er kam herein, beugte sich stöhnend in den Schrank, zog die Flasche weg, ging dann ins Bad, schaute in den Schacht und fing an zu telefonieren. Er gab wohl der Office-Mitarbeiterin den Preis bekannt. Dann wollte er gehen. Als Ina ihn dann an der Tür aufhielt, um zu fragen, was denn nun wäre und wann er denn wiederkäme, sah er sie nur komisch an. Sie fragte erneut, dann lies er sich dazu herab in Aussicht zu stellen, dass er ins Geschäft ginge und in 20 min wiederkäme. Na immerhin, er sprach! Diese ganze Situation war so bizarr, ich kam mir vor wie im Heim, wenn WeWe seine Ferndiagnosen stellt.

Ina verließ später meine Wohnung und ich wartete auf ihn. Gegen viertel acht war er wieder da. Ich versuchte, die Situation etwas aufzulockern und sagte ihm, dass ich die Stelle zum Wasserabstellen nicht gefunden hätte. Daraufhin schaute er wieder nur seltsam und stellte lediglich fest, dass er gekommen sei. Okay, ich ließ ihn in Ruhe, wobei ich wirklich gern gewusst hätte, wo er das Wasser abstellte. Wenn mich nicht alles täuscht, hat er es im Bad im Schacht gemacht, also vermutlich mit dem Hahn, den wir uns nicht getrauten zu drehen. Schade, schade.

Ich hörte ihn also so werkeln. Zwischendurch ging er ins Bad, lehnte die Tür an. Ich dachte, oha, schon fertig, geht schon wieder zum Schacht. Doch dann hörte ich den Toilettendeckel klappen, sich einen Reißverschluss öffnen und wie jemand von weeeiiit oben in das Klo pinkelt. Lecker!!! Wenigstens hat er den Deckel hochgeklappt!

Dann kam er wieder raus, werkelte weiter. Die ganze Zeit redete er mit sich selbst. Dann war es plötzlich ruhig, dann sprach er wieder. Offensichtlich am Telefon, denn er redete etwas lauter. Daraufhin ging ich dann in die Küche, er schrieb gerade die Rechnung. Ich fragte ihn, ob er fertig ist, er sagte nur „Yes.“, dann fragte ich was es kostet. Er schaute wieder genervt, dann schrieb er die Kosten auf und zeigte mir den Zettel. Ich fragte, ob ich es jetzt bezahlen soll, er zeigte nur erneut genervt auf den Preis. Also zahlte ich. Ich unterschrieb, dann ging er, natürlich ohne Verabschiedung, nur mit der Aufforderung, ich solle die Türen zumachen.

Gegen acht Uhr konnte ich also endlich ans Einkaufen denken. Draußen zog sich der Himmel gerade bedrohlich zu. Und natürlich fing es dann auch auf halber Strecke an zu regnen. Willkommen in Petersburg! Aber ich hatte Glück, sie gönnten es mir, beim großen Schauer im Laden gewesen zu sein.

Und als ich dort dann an der Kasse stehe und meine Waren aufbaue, fragt mich die Frau vor mir, warum ich Toilettenpapier kaufe. Ich frage nach, sie wiederholt ihre Frage, ich hatte mich nicht verhört. Was antwortet man auf so eine Frage? Vielleicht weil ich nicht gern Bücher zerreiße? Und weil ich auch nicht so auf die Heimmethoden des feuchten Stofftuches oder des Stehens mit heruntergelassener Hose am Waschbecken stehe? Was soll man sagen? Ich schaute sie nur verwirrt an und fragte, ob sie keines benötige. Da lächelte sie wissend vor sich hin.                                                                                       Warum hat sie so gelächelt? Was weiß sie, was ich nicht weiß?

Wenn ich morgen auf Arbeit gehe und dort im Bad die verschiedenen Möglichkeiten der Folgen des Nichtvorhandenseins von Toilettenpapier betrachte, werde ich nochmal in mich gehen und darüber nachdenken, warum ich Klopapier kaufe.

 

 

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