Mein letzter Erfahrungsbericht

mit ganz vielem und herzlichem Dank, an alle die mich, wie auch immer, im letzten Jahr unterstützt haben und mich immer noch unterstützen – Freunde, Familie, Spender und nicht zuletzt der Verein, also Inge, Robbi und Carsten: DANKE EUCH!!!!

 

 22.09.2011, München

6. Erfahrungsbericht

Verena (nicht mehr) in St. Petersburg

Seit meinem letzten Bericht ist eine ganze Menge passiert.

Vom 11. bis zum 15. Juli war ich mit einer Gruppe von Behinderten aus Peterhof im Sommerlager am Meer.
Ich war speziell für Olga, eine Spastikerin aus meinem Zimmer, zuständig. Es war richtig spannend und schön, sowohl einige der Bewohner, als auch meine Mitarbeiter einmal näher und in einem anderen Umfeld kennen zu lernen.
Aber nach vier Tagen Rollstühle über den Sand bugsieren und einem durchwachten Nachtdienst (Da hatte einer Angst, wir nehmen ihn nicht mit zurück.) war ich dann doch total erschöpft und froh, wieder nach Sankt Petersburg zu kommen.
Ich habe gemerkt: Es war zwar schön, mal wieder in der Natur zu sein, aber danach in die Stadt zurückkommen, fühlt sich so richtig gut an – so ein wohliges Gefühl, fast wie Heimkommen.

Drei Stunden nach meiner Rückkehr in die Stadt musste ich Luise, eine Schulfreundin, die mich zwei Wochen lang besucht hat, vom Bus abholen.
Wir waren vier Tage lang gemeinsam in Moskau, wo wir einen guten Freund, Nikolai, besucht und die Stadt bei glühender Hitze bestaunt haben.
In der zweiten Woche hat sie mich einmal zur Arbeit begleitet und ansonsten Sankt Petersburg auf eigene Faust erkundet, während ich gearbeitet habe.
Es war toll, einer meiner Freundinnen live zeigen zu können, wie mein Leben hier ist.
Mir ist bewusst geworden, ich werde zwar allen Fotos zeigen und Erlebnisse schildern können, aber keiner wird so wirklich wissen, wovon ich rede, wenn er oder sie nicht wirklich hier war – das ist schade.

Direkt nach der eher aktiven, aufregenden und auch anstrengenden Zeit im Sommerlager und mit Luise, habe ich dann vier Tage mit Filipp, einem Freund und Mit-Freiwilligen, in Estland verbracht.
Der erholsame Urlaub in Poltstamma, wo seine Familie ein Haus geerbt hat, war zu dem Zeitpunkt genau das Richtige für mich.

Mitte bis Ende August sind alle Deutschen Freiwilligen -außer mir- ausgereist und ich war bald die einzige Freiwillige auf der Station.
Es war zwar total anstrengend, weil ich auf einmal für vier, und nicht nur für ein Zimmer, zuständig war und mit dem Füttern und Zähneputzen allein war. Aber es war auch spannend, weil sich so die Möglichkeit bot, mehr und intensiver Zeit mit Bewohnern zu verbringen, für die normalerweise andere Freiwillige zuständig waren.

Leider waren auch meine Russischen Freunde in dem Zeitraum im Urlaub und nicht in der Stadt, da Semesterferien waren. Also war ich, bis meine Nachfolger kamen, für circa eine Woche ganz allein.

Als aber diese etwas einsame Woche durchgestanden war, kamen Paul und Stefanie, die zwei neuen Freiwilligen, die von Miteinander in Russland e.V. entsendet werden und das kommende Jahr in St. Petersburg verbringen werden.
Ich habe die beiden vom Bus abgeholt und ihnen praktisch im Schnellverfahren sowohl ihre Arbeit in Peterhof, als auch die Stadt, gezeigt.
Es war spannend und wirklich schön, die beiden kennen zu lernen und ihnen alles zeigen zu können.
Ich habe mich an meine Ankunft ein Jahr zuvor erinnert gefühlt und war fast ein wenig neidisch, dass die beiden noch ein ganzes Jahr dort vor sich haben. Immerhin war mein Jahr richtig, richtig super und ist jetzt leider vorbei.
Zurückblickend ist meine Zeit in St. Petersburg, die mir am Anfang unglaublich lang erschien, wie im Fluge vergangen. Mal sehn, wie es den beiden in einem Jahr damit geht.

Nach lediglich zwei gemeinsamen Tagen in St. Petersburg habe ich Stefanie und Paul sich selbst überlassen und bin am 04. September morgens in einen Flieger nach Deutschland gestiegen.

Aus dem vergangenen Jahr in Russland nehme ich viele wertvolle Erfahrungen, wunderschöne Erinnerungen und neue Freunde mit und ich bin mir sicher, dass es mich, sobald das nötige Geld und die nötige Zeit zur Hand sind, dorthin zurück ziehen wird.
Der Abschied von meinen Freunden dort, der Stadt und auch von den Leuten bei der Arbeit, fiel mir zwar schwer, aber ich habe mich auch schon riesig auf das gefreut, was in Deutschland auf mich wartete.

Schon 6. September, bin ich mit Hilfe meiner Eltern nach Heidelberg umgezogen, wo ich ab Oktober Grundschul-Lehramt in den Fächern Englisch, Deutsch und Religions-Pädagogik studieren werde.
Was das betrifft, so bin ich ein wenig aufgeregt, wie das Studentenleben wohl so wird. Ich hoffe, dass ich den Neuanfang genauso gut meistern werde, wie mir das vor einem Jahr in St. Petersburg gelungen ist.
Ich freu mich schon riesig, wieder haufenweise neue Leute, und hoffentlich auch Freunde, kennen lernen zu können und praktisch nochmal „eine ganz andere Welt“ zu entdecken.

Nun reise ich bis zum Beginn des Semesters herum und besuche meine Freunde und Verwandten, die ich ein Jahr lang nicht gesehen habe.
Es ist toll, alle wieder zu sehen und sich über das austauschen zu können, was man in einem Jahr so voneinander verpasst hat. Vor allem ist es spannend, zu erfahren, was meine Schulfreunde inzwischen treiben.

Viele liebe und äußerst zufriedene Grüße

von
Verena

 

Eine Art Grande Finale…

… für mein Freiwilligenjahr hält mich voll in Trab.

Wie in meinem letzten Bericht schon erwähnt: Mein Leben hier scheint gerade förmlich zu explodieren und es ist einfach wunderbar.

Da in meiner WG das Internet nicht mehr funktioniert, tipp ich diesen kleinen Bericht daheim und stelle ihn dann in meinen Blog, sobald ich wieder irgendwo online gehen kann.

Heute ist der 4.8.

In ziemlich genau einem Monat werd ich wieder in Waldshut sein.

Vor wenigen Stunden bin ich aus Estland zurück gekommen, wo ich die letzten vier Tage mit Filipp, einem Freund und Mit-Freiwilligen, und seinen Eltern im Haus seiner Familie in Poltsamma verbracht habe.

Es war sehr erholsam und nach dem vergangenen Monat dringend mal nötig.

In den letzten Wochen ging es für mich drunter und drüber. Vom 11. bis zum 15. Juli war ich mit einer Gruppe von Behinderten aus Peterhof im Sommerlager am Meer. Ich war speziell für Olga, eine Spastikerin aus meinem Zimmer, zuständig.

Es war richtig spannend und schön, sowohl einige der Bewohner, als auch meine Mitarbeiter einmal näher und in einem anderen Umfeld kennen zu lernen.

Aber nach vier Tagen Rollstühle über den Sand bugsieren und einem durchwachten Nachtdienst (Da hatte einer Angst, wir nehmen ihn nicht mit zurück.) war ich dann doch total erschöpft und froh, wieder nach Sankt Petersburg zu kommen.

Ich habe sowieso gemerkt: Es war zwar schön, mal wieder in der Natur zu sein, aber danach in die Stadt zurückkommen, fühlt sich so richtig an – so ein wohliges Gefühl, fast wie Heimkommen 🙂 .

Drei Stunden nach meiner Rückkehr in die Stadt musste ich Luise, eine Schulfreundin, die mich zwei Wochen lang hier besucht hat, vom Bus abholen.

Wir waren vier Tage lang gemeinsam in Moskau, in der anderen Woche hat sie mich einmal zur Arbeit begleitet und ansonsten Sankt Petersburg auf eigene Faust erkundet, während ich gearbeitet habe.

Es war toll, einer meiner Freundinnen live zeigen zu können, wie mein Leben hier ist.

Mir ist bewusst geworden, ich werde zwar allen Fotos zeigen und Erlebnisse schildern können, aber keiner wird so wirklich wissen, wovon ich rede, wenn er oder sie nicht wirklich hier war – das ist schade. (Ohne hier gewesen zu sein, wäre die liebe Luise zum Beispiel nie Pelmeni-süchtig geworden.)

Luise hat ihren Aufenthalt sogar um zwei Tage verlängert, das aber eher unfreiwillig, weil sie ihren Flieger verpasst hatte – so ein Trubel!

Am 25. und 26. Juli war ich als einzigste Freiwillige in Peterhof, da die Freiwilligen aller anderen Organisationen auf einem Abschluss-Seminar waren. Es war total anstrengend, weil ich auf einmal für vier, und nicht nur ein Zimmer, zuständig war und mit dem Füttern und Zähneputzen allein war.

Aber es war auch spannend, weil sich so die Möglichkeit bot, ein wenig mehr und intensiver Zeit mit Bewohnern zu verbringen, für die normalerweise andere Freiwillige zuständig sind.

Nach Lager, Luise-Besucht (viel Spaß, aber eben auch viel Action) und viel Arbeit, war also der Estland-Urlaub, wie gesagt, perfekt.

Jetzt habe ich wieder richtig viel Energie getankt, um nochmal drei Wochen lang in Peterhof zu arbeiten, meine restliche freie Zeit in dieser wunderbaren Stadt voll auszukosten und dann meine zwei Nachfolge-Freiwilligen von MIR, Stefanie und Paul, gebührend in Emfpang zu nehmen.

Mein 5. Erfahrungsbericht

5. Erfahrungsbericht

Verena in St. Petersburg

 

 

Es ist Sommer und zwar so richtig, heute hat es über 30°C. Das Leben fühlt sich so an, als würde es aus allen Nähten platzen. Es ist immer was los und ich fühle mich pudelwohl!

Ich geniesse die Weißen Nächte und die Tage zwischendrin in vollsten Zügen – verbringe unheimlich viel Zeit in der Sonne, die ja nun kaum noch untergeht, liege in Parks, an der Newa oder am Meer in der Sonne, werde braun und bade.

 

Ein besonders sonniger Tag war der neunte Mai, der Tag des Sieges. Angeblich wird am neunten Mai ein Gas oder so in die Luft über der Stadt getan, damit der Himmel wolkenfrei bleibt. Ob das stimmt, weiß ich immer noch nicht, aber nachdem ich gesehen habe, wie überaus wichtig dieser Tag den Russen scheinbar ist, kann ich es mir sehr gut vorstellen.

Schon am 5. Mai habe ich einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen. Da war auf dem Schlossplatz vor der Heremitage eine Parade-Übung. Es war schon etwas unheimlich, als über 1000 Soldaten im Gleichschritt an mir vorbeimarschierten, nachdem sie auf den Ruf “Alles Gute zum Tag des Sieges, Genossen!” mit einem dreifachen schallenden “UUURRAAAAA!” geantwortet hatten. Den Marschierenden folgte dann ein beachtliches Aufgebot an Geländewagen mit schwer bewaffneten Soldaten, Panzern und auch Raketen. Die Zuschauer staunten und freuten sich riesig.

Am neuten Mai selbst, war ich den ganzen Tag im Stadt-Zentrum, wo die Stimmung fröhlich Volksfest-mäßig war.

Aber dass der Grund der allgemeinen Freude der große große Sieg war, war schon komisch. Warum nicht den Tag des Friedens feiern? Weil man da nicht so schön die Panzer präsentieren kann?

Es gab morgens eine Parade mit Soldaten auf dem Schlossplatz und eine Flugschau. Mittags fand eine Parade auf dem Nevsky statt, wo die Veteranen des zweiten Weltkriegs bejubelt wurden, die auch den ganzen Tag über von jungen Frauen und Kindern mit Blumen überhäuft, umarmt und geküsst wurden.

Es war mir etwas fremd, den Veteranen zuzusehen, wie sie mit Stalin-Postern und “Danke für den Sieg!”- oder “Leningrad – Stadt der Helden”-Bannern den Nevsky entlang liefen und sich zujubeln ließen.

 

Seit Anfang Juni arbeite ich, wie geplant, im Psychoneurologischen Zentrum in Peterhof.

Morgens muss ich den Menschen mit Behinderung beim Zähneputzen helfen.

In dem Zimmer, für das ich zuständig bin, können das alle selber und den beiden, die es nicht können, helfen die drei selbstständigen Behinderten. In dieser Zeit kümmere ich mich um ein Zimmer, für das derzeit kein Freiwilliger zuständig ist und helfe, wo Not am Mann ist.

Viele der Bewohner, die selbstständig sind, übernehmen verschiedene Aufgaben, wie zum Beispiel den Schwächeren zu helfen, zu putzen oder in der Küche zu assistieren, wo das Mittagessen für die Mitarbeiter und Freiwilligen gekocht wird.

Ansonsten ist der einzig feste Programmpunkt im Moment Olga, einer Spastikerin aus meinem Zimmer, das Mittagessen anzureichen.

Bis wir vor kurzem hatten wir immer Montags Theaterstunden, wo wir, die Freiwilligen und Pädagogen, mit einigen Bewohnern ein kleines Stück eingeübt haben, das wir am Ende für die anderen Bewohner aufgeführt haben.

Die Gestaltung der restlichen Zeit ist mir selbst überlassen.

Da im Augenblick die Sonne oft scheint, verbringen wir Freiwilligen mit den Behinderten viel Zeit an der frischen Luft, spielen im Park, der das Gebäude umgibt, gehen spazieren oder sogar baden.

 

Am ersten Juni wird in Russland der Tag der Kinder gefeiert.

Aus diesem Anlass wurde im Kinderheim in Pawlowsk ein Fest gefeiert, wo alle Perspektiven Freiwilligen zu Gast waren und mitgeholfen haben.

Es war sehr interessant, ein weiteres Projekt von Perspektivy kennen zu lernen.

Ähnlich wie in Peterhof, handelt es sich um eine staatliche Einrichtung für Kinder mit Behinderung und Perspektivy betreut dort einen Korpus.

Das Gebäude ist zwar besser renoviert und scheinbar sauberer als in Peterhof, die Behinderten halten sich jedoch scheinbar eher in ihren Zimmern auf. In Peterhof halten sich viele ständig auf dem Korridor auf und die Station ist immer sehr lebendig, bunt und laut.

An diesem Tag habe ich mich um ein kleines Mädchen namens Sascha gekümmert, die im Rollstuhl sitzt und weder reden, noch wirklich selbstständig aufrecht sitzen kann.

Wir haben erst das kleine Spektakel mit dressierten Tieren, Tanzeinlage und Musik bestaunt und dann verschiedene Spielangebote, wie zum Beispiel selber musizieren, Seifenblasen machen oder malen, genutzt.

Ich habe den Eindruck gewonnen, als wären die meisten der Kinder um einiges weniger selbstständig und fit, als unsere Erwachsenen in Peterhof und frage mich, ob sie wohl vieles erst viel später oder langsamer lernen werden. Denn einige unserer Bewohner in Peterhof haben wohl bis zu ihrem 18. Lebensjahr in Pawlowsk gelebt und sind, wie gesagt, weitaus selbstständiger als diese Kinder. Mich beschäftigt auch die Frage, was aus den Kindern wird, die wenn sie 18 werden nicht nach Peterhof kommen.

 

Ab dem 12. Juni, pünktlich, um die Weißen Nächte mitzuerleben, waren meine Eltern und mein Großonkel und meine Großtante, Peter und Monica Hansen, hier in Sankt Petersburg zu Besuch. Meine Eltern waren eine ganze Woche und die anderen beiden vier Tage lang hier.
Es war richtig toll für mich, ihnen ein Stück weit näher bringen und live zeigen zu können, wie ich hier lebe und arbeite.

Außerdem war es natürlich total schön, meine Eltern, von denen ich noch nie solange getrennt gewesen bin, nach acht Monaten wieder in die Arme zu schliessen.

An drei Tagen in dieser Woche musste ich arbeiten. An einem davon habe ich die vier für ein Stündlein mit zur Arbeit genommen, um ihnen das Psychoneurologische Zentrum in Peterhof zu zeigen.

Die gemeinsame freie Zeit haben wir mit Kultur-Programm gefüllt und alle sehr genossen.

 

Kurz nach dem Besuch meiner Eltern bin ich ein zweites Mal in diesem Jahr umgezogen. Dieses Mal in eine Freiwilligen-WG der Organisation Perspektivy, für die ich inzwischen ja auch arbeite.
Glücklicherweise lebe ich nach wie vor im Zentrum der Stadt und komme auch mit meinen drei neuen Mitbewohnerinnen -zwei Deutsche und eine Russin- sehr gut klar.

Mein neues Zimmer ist zwar kleiner und die gesamte Wohnung ein wenig dunkler und schmutziger als die bisherige und die Trennung von meiner bisherigen Mitbewohnerin Caro war traurig, aber ich fühl mich zwischen den bunt bemalten und beschrifteten Wänden und abstrusen, von ehemaligen Freiwilligen hinterlassenen Dekorationen, pudelwohl.

Der einzige Wermuts-Tropfen ist wohl, dass ich nun auf einer der Inseln, also auf der andren Newa-Seite, lebe und mich mit meinem wochenendlichen Nacht-Programm nach den Öffnungs-Zeiten der Brücken richten muss.

 

Im Augenblick habe ich mehrere Bewerbungen für ein Bachelor Studium in Soazialer Arbeit und auch eine für Grundschul-Lehramt am Laufen, weiß jedoch noch nicht, wohin es mich verschlagen wird, wenn ich bald wieder nach Deutschland komme.

Diese Ungewissheit beschäftigt mich sehr und ich merke, dass ich gedanklich bereits oft nach Deutschland abschweife.

Das ist schade, denn gerade jetzt erlebe ich hier, wie gesagt, eine sehr schöne und intensive Zeit, die ich noch in vollsten Zügen auskosten will.

Ich versuche, so gut es geht, im Hier und Jetzt zu sein und freu mich zu allererst einmal auf das Sommerlager mit den Menschen mit Behinderung, das vom 11.-15. Juni stattfinden wird und auch auf meine Schul-Freundin Luise, die mich bald besuchen wird.

 

 

Viele liebe Grüße

aus der Sonne

von

Verena

Sommer, Sonne, Sonnenschein,…

was kann schöner sein? – So wohl wie ich mich zur Zeit fühle, kann wohl kaum etwas schöner sein!

Am 1. Juni, pünktlich zum Tag der Kinder, hatten wir den ersten richtig sommerlich-heißen Tag des Jahres. Den Kindertag habe ich im Kinderheim in Pawlowsk verbracht und dort mitgearbeitet und es besichtigt. Dort leben Kinder mit Behinderung, die von Freiwillige von Perspektiven betreuet werden. Ähnlich wie in Peterhof betreut Perspektivy jedoch nur einen Korpus dort.

Seit dem ersten Juni hatten wir bisher fast nur Sonnenscheint und ich war bisher täglich mit den Bewohnerinnen in Peterhof, wo ich nun ausschließlich arbeite, draußen im Park, der das Internat umgibt. Die Arbeit dort macht mir richtig Spaß – ich geniesse die Freiheit, meine Arbeitszeit und die Zeit die ich mit den Bewohnerinnen aus meinem Zimmer verbringe, so zu gestalten, wie wir es wollen (3 der Bewohnerinnen sind sehr fit und sagen mir ziemlich genau, was sie wollen). Aber auch die vorgeschriebenen Programmpunkte, wie zum Beispiel das Theater, das einmal wöchentlich stattfindet, sind super.

Wenn ich nicht arbeite, verbringe ich im Augenblick so viel Zeit wie möglich draußen, ich bin viel mit Freunden an der Newa, am Meer und im Park und geniesse die Sonne bis abends um halb-zwölf, wenn es dann für 3-4 Stunden kurz zu dämmern beginnt. Hier wird es also kaum noch dunkel – sehr verwirrend, aber auch aufregend und vor allem schön.

Russland belohnt mich reich dafür, dass ich den kalten ewig-langen Winter durchgehalten habe :)!

 

 

Urraaa urrraaa

… am 9.Mai, also letzte Woche Montag, war Tag des Sieges.

Schon am 5. Mai, als ich in der Heremitage war, weil der Eintritt am ersten Donnerstag des Monats frei ist, habe ich einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen. Da war auf dem Schlossplatz vor der Heremitage eine Parade-Übung, als ich raus kam. Ich fand das schon irgendwie unheimlich, als über 1000 Mann im Gleichschritt an mir vorbeimarschierten, nachdem sie auf den Ruf „Alles Gute zum Tag des Sieges, Genossen!“ mit einem dreifachen schallenden „UUURRAAAAA!“ geantwortet hatten. Den Marschierenden folgte dann ein beachtliches aufgebot an Geländewagen mit schwer bewaffneten Soldaten, Panzern und auch Raketen. Die Zuschauer staunten und freuten sich riesig.

Der 9. Mai selbst war für mich an sich ein schöner Tag. Ich war den ganzen Tag im Stadt-Zentrum, es war super Wetter und die Stimmung war allgemein fröhlich Volksfest-mäßig. Aber dass der Grund der allgemeinen Freude der große große Sieg war, war schon komisch. Warum nicht den Tag des Friedens feiern? Weil man da nicht so schön die Panzer präsentieren kann?

Es gab morgens eine Parade mit Soldaten auf dem Schlossplatz und eine Flugschau. Mittags fand eine Parade auf dem Nevsky statt, wo die Veteranen des zweiten Weltkriegs bejubelt wurden, die auch den ganzen Tag über von jungen Frauen und Kindern mit Blumen überhäuft, umarmt und geküsst wurden.

Es war mir etwas fremd, den Veteranen zuzusehen, wie sie mit Stalin-Postern und „Danke für den Sieg!“- oder „Leningrad – Stadt der Helden“-Bannern den Nevsky entlang liefen oder auf Wägen, auf denen die Stadtbezirke stehen, aus denen sie kommen, entlang fuhren und sich zujubeln und Dank zurufen ließen. Die kleinen Kinder waren mit Russland-Flaggen, orange-schwarzen Wimpeln (die tragen viele das ganze Jahr über) und Panzer-Luftballons ausgestattet. Das hat mir schon zu denken gegeben. Ganz sicher etwas sehr Russisches!

Abends um zehn, als es eigentlich noch hell war, da es hier inzwischen erst um elf dämmert, gab es dann ein Feuerwerk und ein paar letzte „UUUURrraaaas“ und „Dankeschöns!!“.

Mein 4. Erfahrungsbericht

03.05.2010
4. Erfahrungsbericht
Verena in St. Petersburg

Heute, an einem der ersten nicht-sonnigen Tage seit einer ganzen Weile, nehme ich mir die Zeit, meinen vierten Erfahrungsbericht für Euch zu verfassen. Die letzten paar Wochen war es meist sonnig und ich habe das Gefühl zu merken, wie es täglich ein klein wenig länger hell ist – die Weißen Nächte sind im Anmarsch!
Einerseits freu ich mich riesig auf den Sommer hier, andererseits heißt das auch, jetzt sind es wirklich nur noch vier Monate, die ich hier verbringen werde. Nachdem die ersten paar Monate so schnell verflogen sind, habe ich das Gefühl, meine Heimreise sei schon zum Greifen nah – schade.

Bis gestern waren für knapp zwei Wochen meine ersten Besucher aus Deutschland, mein Bruder (Arne) und eine gemeinsame Freundin (Jorina), hier. Wir hatten eine sehr schöne und glücklicherweise sonnige Zeit.
Wir haben natürlich das unerschöpfliche kulturelle Angebot hier genossen und uns so viel Gold, Kunst und Prunk angesehen, bis wir es gar nicht mehr sehen konnten. Vom einfachen Spaziergang den Nevsky Prospekt entlang, über den Ausblick vom Dach der Isaaks-Kathedrale, bis zum Besuch des Katharinen–Palastes in Pushkin, haben wir uns nichts entgehen lassen.
Sowohl in der Heremitage, als auch in den verschiedenen Palästen und Kirchen habe ich da erst gemerkt, dass es oft super-viele schöne kleine Dinge – Bilder, Verzierungen, Geschirr, Möbel … – zu sehen gibt, doch die sind dann in einem Gebäude so angehäuft, dass es als ganzes sehr erschlagend und vielleicht auch ein bisschen protzig wirkt.
Wir haben einen Samstag mit einigen Freunden am Laduga-See verbracht, der nord-östlich von St. Petersburg liegt und der größte Süßwasser-See Europas ist. Dort haben wir gepicknickt, „gechillt“  und uns den ersten Sonnenbrand des Jahres zugezogen, während der See zum Teil noch zugefroren war.
Arne hat mich einmal ins Dom Maletzkovo begleitet, um meinen Arbeitsalltag kennen zu lernen,  aus diesem Grund sind die beiden am Montag auch nach Peterhof, ins Psychoneurologische Zentrum, mitgekommen, wo ich seit Mitte März immer Montags arbeite und von Juni bis September täglich arbeiten werde.

Da die Caritas im Sommer von Juni bis August paralell zu den Schulferien eine Pause einlegt, werde ich “arbeitslos” sein und habe für diese Zeit eine Stelle im Psycholeurologischen Zentrum im Internat in Peterhof.
Ich fange nun schon an, immer Montags dort zu arbeiten, weil mir knapp drei Monate dort zu wenig wären, außerdem hab ich Montags immer fast frei.
Aber eben nur fast – meine Nachhilfe-Kids musste ich dafür leider aufgeben, doch die haben inzwischen schon einen neuen Französisch-Nachhilfe-Lehrer. Die Entscheidung „meine“ Kids „im Stich zu lassen“ fiel mir doch etwas schwer, aber ich fühle mich in Peterhof, wo meine Nachfolger wahrscheinlich auch arbeiten werden, super-wohl.
In der Einrichtung leben circa 1000 Menschen und zwei der Stationen werden von der Organisation Perspektivy betreut, der Rest staatlich. In den Perspektivy-Stationen arbeiten viele Detusche, Russische und Polnische Freiwillige, die meist für jeweils ein Zimmer zuständig sind. Auch ich habe jetzt ein “eigenes” Zimmer. Dort leben fünf größtenteils sehr fitte Frauen, so dass es auch gut machbar ist, dass ich erst mal nur einmal wöchentlich kommen werde.
An meinem ersten Arbeitstag habe ich Olga, die in “meinem” Zimmer lebt, das Essen angereicht. Ich habe sie in kürzester Zeit lieb gewonnen, auch wenn sie mir einiges an Essen auf den Pulli gespuckt hat, weil sie so erfreut war mich kennen zu lernen, dass sie beim Essen lachen musste, was dann in Husten endete.
Ich hätte erwartet, dass mir solche Arbeit viel schwerer fallen würde und ich mich womöglich ekeln oder unwohl fühlen würde – im Gegenteil!

Natürlich gibt es keinen Bericht von mir ohne eine kleine Abenteuer-Geschichte!
Bei einem Frühlings-Spaziergang im Zentrum mit einigen Freunden, wurden zwei der Jungs von der Polizei dabei erwischt, wie sie in einem Hinterhof pinkelten, und mit aufs Revier genommen. Wir andren waren erst mal ziemlich erschreckt und besorgt, hatten wir doch von einem Russischen Freund gehört, dass jemand dafür schonmal von der Miliz (Polizei) verprügelt wurde.
Vielleicht hatten wir Glück, dass einer der beiden Deutscher war, den die Polizei also nur drei Stunden festhalten darf und bei dem sie sich zudem so etwas nicht trauen würde. Die beiden wurden für gut drei Stunden in einem dunklen Van und auch im Revier festgehalten, befragt ob sie Alkohol getrunken haben und dann laufen gelassen.
Ich vermute, die Milizionäre hätten für ein paar Rubel auch gleich ein Auge zugedrückt und das Geld in die eigene Tasche gesteckt. Sowas hört man recht häufig von der, bei den Landsleuten äußerst unbeliebten und sicher auch gefürchteten, Polizei. In dem Fall sind meine zwei Freunde mit einem Denkzettel und ohne sonstige Konsequenzen weggekommen.
Selbstverständlich ist mir klar, dass es nicht besonders fein von ihnen war, ihre Notdurft in diesem Hof zu verrichten!

Nun bin ich ganz gespannt, auf den Tag des Sieges, der hier am 9. Mai ganz groß gefeiert werden wird. Die Parade werde ich mir nicht entgehen lassen.
Außerdem freu ich mich schon riesig auf meinen nächsten Besuch, der im Juni kommen wird – meine Eltern, die ich seit acht Monaten bis auf ein kurzes Treffen mit meiner Mama nicht gesehen habe.
Es wird also auch im nächsten Bericht haufenweise hoffentlich ebenso sonnige Dinge zu erzählen geben!

Viele liebe Grüße
aus St. Petersburg
von
Verena

Nur ein kleines Geschäft, aber ein größeres Problem.

Gestern, am Montag, war ich gemeinsam mit vier Freunden nach einem sehr schönen Chor-Konzert an einem der Kanäle im Zentrum spazieren. Wir wollten es einfach auskosten, dass es nun von Tag zu Tag länger hell zu sein scheint und dass gestern auch endlich mal Frühlingshaftes Wetter war.

Wenn wir im Zentrum unterwegs sind und jemand muss dringend, erledigen wir unsre Notdurft in einem fremden Innenhof, was uns wahrscheinlich äußerst empören würde, wenn es ein Fremder bei uns täte. Genau das taten also zwei meiner Freunde und wurden von der Polizei dabei erwischt und mit aufs Revier genommen. Wir andren waren erst mal ziemlich erschreckt und besorgt, hatten wir doch von einem Russischen Freund gehört, dass jemand dafür schonmal von der Miliz (Polizei) verprügelt wurde.

Vielleicht hatten wir Glück, dass einer der beiden Deutscher war, den die Polizei also nur drei Stunden festhalten darf und bei dem sie sich zudem so etwas nicht trauen würde. Die beiden wurden für gut drei Stunden in einem dunklen Van und auch im Revier festgehalten, befragt ob sie Alkohol getrunken haben und dann laufen gelassen.

Ich vermute, die Milizionäre hätten für ein paar Rubel auch gleich ein Auge zugedrückt und das Geld in die eigene Tasche gesteckt. Sowas hört man recht häufig von der, bei den Landsleuten äußerst unbeliebten und sicher auch gefürchteten, Polizei.

In dem Fall sind meine zwei Freunde mit einem Denkzettel und ohne sonstige Konsequenzen weggekommen – so schnell werden sie nicht mehr in fremde Höfe pieseln! Vielleicht wird so -oder für Russen etwas gröber- auch unser Innenhof freigehalten von Fremden Klo-Gängern?

 

 

Der anstrengendste Tag der Woche…

… wird ab jetzt der Montag sein. Es wird aber auch ein toller Tag sein!

Da die Caritas im Sommer von Juni bis August paralell zu den Schulferien eine Pause einlegt, werde ich „arbeitslos“ sein und habe für diese Zeit eine Stelle im Psycholeurologischen Zentrum im INternat in Peterhof. Ich fange nun schon an, immer Montags dort zu arbeiten, weil es mir dort sehr gut gefällt und mir knapp drei Monate dort zu wenig wären, außerdem hab ich Montags immer frei.
Ich muss dafür zwar meine lieben Französisch-Nachhilfe-Kids aufgeben, aber die haben  zwei Mal pro Woche Unterricht mit einem andren Lehrer und werden das wohl verschmerzen können.
Die Entscheidung zwischen diesen zwei Projekten ist mir etwas schwer gefallen, aber seit meinem ersten Tag in Peterhof vorgestern, bin ich ziemlich sicher, mich richtig entschieden zu haben.
In dem Internat dort leben circa 1000 Menschen und zwei der Stationen werden von Perspektivy betreut, der Rest staatlich. In den Perspektivy Stationen arbeiten viele Detusche, Russische und Polnische Freiwillige, die meist für jeweils ein Zimmer zuständig sind. Auch ich habe jetzt ein „eigenes“ Zimmer. Dort leben fünf größtenteils sehr fitte Frauen, so dass es auch ok ist, dass ich erst mal nur einmal wöchentlich kommen werde.
Ich kann mich ziemlich glücklich schätzen, mit einigen der Freiwilligen, die schon länger dort arbeiten bekannt und befreundet zu sein. Das hat mir meinen ersten Tag, vor dem ich doch etwas nervös war, sehr erleichtert. Die anderen Freiwilligen haben mich ein Bisschen bei der Hand genommen, mir gezeigt, wie alles funktioniert und mir auch ein Wenig über die Einwohner verraten.

Diese Montag habe ich mir erst mal das Meiste vom Freiwilligenkoordinatior zeigen und mich vorstellen lassen, dann war ich mit Jozef, einem Freund der dort Freiwilliger ist, und zwei Männern im Rollstuhl im Schnee-Sturm (Ja, hier schneit es zu meinem Leidwesen immer noch!) spazieren – ziemlich anstrengend. Mittags habe ich Olga, die in „meinem“ Zimmer lebt, gefüttert. Ich habe sie in kürzester Zeit lieb gewonnen, auch wenn sie mir einiges an Essen auf den Pulli gespuckt hat, weil sie so erfreut war mich kennen zu lernen, dass sie beim Essen lachen musste, was dann in Husten endete. Danach hab ich die einzelnen Bewohnerinnen meines Zimmers näher kennen gelernt und war mit Lena -auch aus „meinem“ Zimmer- und Joesefine, einer anderen Freiwilligen und Freundin, schnuseln -sprich entspannen.

Wenn ich dort fertig bin, muss ich dann noch 1-2 Stunden Elektritschka (Nahverkehrs-Zug), Metro und Bus fahren, um noch eine Stunde Russisch-Unterricht bei Anja zu geniessen – ja, ich geniesse den Unterricht meist wirklich :)! Das heißt ich werde ab jetzt Montags so etwa von morgens um 7Uhr bis abends um 9Uhr außer Haus sein.

 

 

Mein 3. Erfahrungsbericht

 

10.03.2011

    3. Erfahrungsbericht 

    Verena in Sanktpetersburg

 

Juhu – ich glaub, der Frühling kommt!

Nachdem ich in meinem letzten Bericht so laut herum posaunt habe, es sei ungewöhnlich warm, ist es zwar -wie zum Trotz- so richtig kalt geworden, aber nun kündigt sich auch hier der Frühling an.

Ich hab erlebt, wie sich -30°C anfühlen, habe es überstanden und freue mich jetzt über immer längere Tage, schmelzenden Schnee und vor allem über Temperaturen, die nicht mehr unter -10°C fallen.

Entgegen meiner Erwartung waren -30°C nicht so schlimm. Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein haben die Kälte wieder wett gemacht.

Schön dick eingepackt hat es sich auch gelohnt, auf der gefrorenen Ostsee einen Spaziergang zu wagen. Auch wenn der Atem an den Haaren, die aus der Mütze lugen, gefriert, ist es unersetzlich, auf einer scheinbar unendlichen Schneefläche zu laufen, unter der das Meer liegt.

 

Nicht nur der Frühling erfreut mich, sondern auch meine Erfolge beim Russisch Lernen.

Mit den meisten meiner Freunde spreche ich zwar Englisch und bei der Arbeit gebrauche nur einen auf meinen Aufgabenbereich begrenzten Wortschatz, doch ich erweitere mein darüber hinaus reichendes Wissen ständig.

Eine große Hilfe ist mir dabei Anja, meine Russisch-Lehrerin. Wir treffen uns einmal wöchentlich. Ich merke, dass mein passiver Wortschatz (wie das beim Sprachen-Lernen ja immer ist) schon viel größer ist, als mein aktiver.

Ich geniesse es, inzwischen vieles zu verstehen, was um mich herum gesagt wird.

Das Gefühl, nicht verstanden zu werden und nicht zu verstehen, war vor allem zu Beginn meiner Zeit hier sehr stark. Ich habe gemerkt, wie Leute aus meinem geringen Russisch-Wissen geschlossen haben, ich sei weniger klug. Ich kam mir oft so vor, als würden sie mich wie ein kleines Kind oder einen begriffs-stutzigen Menschen behandeln. Ich habe begriffen, dass ich bei Ausländern, die in Deutschland leben und nicht allzu gut Deutsch sprechen, oft den selben Fehlschluss gezogen habe. Das wird mir so schnell nicht mehr passieren!

 

Ich bin nicht die einzige, die beim Lernen einer Sprache Erfolg hat, auch „meine Französisch-Kids“ im Ostrowok, dem Kinderzentrum, machen Fortschritte und meine Nachhilfe scheint Früchte zu tragen.

Es ist ein tolles Gefühl, wenn ein Kind zu mir kommt, mir eine gute Note zeigt oder mich am Ende der Nachhilfe-Stunde bittet, „nur noch diesen einen Absatz mehr“ mit ihm zu lesen, weil es ihm gerade Spaß macht.

Leider sind nicht alle so erfolgreich und motiviert. Aber ich bleib dran, gebe mir auch mit den widerwilligeren Schülern größte Mühe und freue mich über jeden großen und kleinen Erfolg.

 

Genau wie die Arbeit im Ostrowok, macht mir auch die Arbeit im Dom Maletzkovo, der Tagesstätte für Menschen mit Behinderung, nach wie vor großen Spaß.

Dennis, einer der Besucher, war eine Weile lang recht aufdringlich. Ihm schien einfach nicht bewusst zu sein, dass manche Berührungen distanzlos sind und mir unangenehm sein könnten.

Ich habe es geschafft, ihm beizubringen, was für mich in Ordnung ist und was nicht. Wir haben nun ein Zeichen, bei dem er weiß, dass er weiter nicht gehen darf. Das ist schön, denn nun kann ich auch mit ihm unkompliziert und selbstverständlich umgehen.

Ich muss gestehen, ich habe auch einen Liebling in der Einrichtung.

Natürlich gebe ich mein Bestes, allen das Gefühl zu geben, gleichermaßen gern gehabt zu werden. Doch genau wie ich ihn, hat Serjoscha mich wohl auch ins Herz geschlossen. Als es noch warm genug war hat er oft morgens an der Straßenecke auf mich gewartet und wenn ich mal nicht gekommen bin, fragt er scheinbar viel nach mir und vermisst mich.

In letzer Zeit war er oft sehr müde, wirkte abwesend und reagierte kaum noch, wenn man ihn ansprach.

Also ist er nun in Kur und danach laut der Projektleiterin wahrscheinlich in einer Einrichtung, „wo er hauptsächlich liegen wird“.

Sehr schade, denn ich vermute, dass es sich dabei um eine staatliche Einrichtung handeln könnte, wo er mit Medikamenten ruhig gestellt werden und tatsächlich nur liegen würde.

 

Natürlich habe ich seit meinem letzten Bericht nicht nur gearbeitet, sondern auch Spaß gehabt und Abenteuer erlebt.

Ein großes Abenteuer war zum Beispiel der Wasserrohr-Bruch in der Küche.

Während meine Mitbewohnerin Carolin auf einem Seminar und ich allein hier war, brachein Rohr, aus dem dann unaufhaltsam heißes Wasser strömte.

Ich stand also da in einem großen sehr nassen und warmen Haufen Handtücher und wartete auf den zahnlosen, fröhlich singenden Techniker. Der hat mich zum Glück nicht enttäuscht und kam sehr bald und brachte ganz fix alles wieder in Ordnung. Was für eine Aufregung!

 

Am 23. Februar war hier Tag des Vaterlands-Verteidigers. Carolin, Josefine (eine weitere Deutsche Freiwillige) und ich haben das damit verbundene lange Wochenende für eine kleine Reise nach Moskau genutzt, wo wir Freunde besucht haben.

Die Moskauer Freunde hatten wir im Januar zufällig hier in St. Petersburg kennen gelernt.

Wir haben eine Kunstgalerie besucht, natürlich den Roten Platz, sind einfach mal herum gebummelt und haben die Stadt auf uns wirken lassen. Wir waren auch bei Carsten Heinrich in der Universität zu Besuch. Dort sind wir aufs Dach gestiegen, von wo aus man einen einmaligen Blick über die Stadt hat.

Moskau ist ganz anders als St. Petersburg, aber ich finde es auf seine Art auch recht charmant. Die Stadt schläft wirklich nie. Selbst nachts kann man da in einen Verkehrsstau geraten. Man könnte sagen, St. Petersburg, das mir, als ich aus Waldshut kam, so schnell vorkam, döst nachts.

 

Nach vier schönen und aufregenden Tagen in Moskau sind wir dann wieder nach hause gefahren, wo ich ziemlich direkt im Anschluss Besuch von Inge Shabli aus Deutschland hatte, da wir vom Verein Miteinander in Russland e.V. am darauf folgenden Wochenende hier ein Zwischenseminar hatten.

Das Seminar war sehr spannend, hilfreich und schön.

Ich habe es genossen „meinem“ Verein „mein“ St. Petersburg präsentieren zu könne, mit den dreien (Carsten, Inge und Robert Schönfelder) zu reflektieren und zu planen und mich beraten zu lassen, wie es weiter gehen wird in den kommenden sechs Monaten.

 

Jetzt ist ja tatsächlich schon die Hälfte meines Aufenthaltes hier vorbei und ich kann kaum glauben, wie schnell es gegangen ist und wie wohl ich mich hier fühle.

Ich bin mir sicher, die restlichen Monate werden genauso toll sein und leider auch genauso im Fluge vergehen, wie die Zeit bisher.

 

Viele liebe Grüße von Verena

aus St. Petersburg, das langsam auftaut und wärmer wird !

Oben links: Auf der gefrorenen Ostsee; oben rechts: auf dem Roten Platz mit Josefine;

unten: Ein Gruppenfoto vom MIR-Zwischentreffen (von links nach rechts: Inge Shabli, ich, Robert Schönfelder, Carsten Heinrich)

 

Ich lebe noch…

… ich hatte nur in letzter Zeit so viel Programm und Spaß, dass nicht viel Zeit blieb, mich vor den PC zu setzen und davon zu erzählen. Das hole ich jetzt nach und fang einfach da an, wo ich aufgehört habe 🙂 .

 

Am Mittwoch, den 23. Februar, war Männertag oder auch „Tag des Vaterlandsverteidigers“. Meine Mitbewohnerin Carolin, Josefine (eine weitere Deutsche Freiwillige) und ich haben den freien Tag genutzt und auch noch Donnerstags und Freitags frei genommen, um ein langes Wochenende in Moskau zu verbringen.

Wir waren dort bei Freunden zu Gast, die wir zufällig kennen gelernt hatten, als sie im Januar in St. Petersburg waren. Es war super, sowohl kostenlos unterzukommen, als auch Leute zu kennen, die einem etwas von der Stadt erzählen können oder Orte zeigen, die man als Tourist auf eigene Faust nicht gefunden hätte.

Wir hatten 4 erlebnisreiche Tage – haben eine Kunstgalerie besucht und natürlich auch den Roten Platz (Lenin wird derzeit, laut Wachposten, leider renoviert und kann nicht betrachtet werden.). Wir haben auch Carsten in der Universität besucht, wo er uns mit aufs Dach genommen hat – atemberaubender Ausblick auf eine riesige Stadt, die wirklich nie zu schlafen scheint. Ich würde mal sagen, während St. Petersburg nachts vielleicht döst, ist Moskau ständig in Bewegung und zwar in schneller. Außerdem waren wir in einer weiteren Kunstgalerie, die sich in einer alten Weinfabrik befindet, da zwei unserer Freunde in einem Zimmer dort wohnen, das eigentlich als Atelier dienen sollte. Natürlich sind wir auch einfach mal drauf los durch die Stadt spaziert und haben uns überraschen lassen.

 

Samstagnacht sind wir heim gefahren, so dass wir Sonntag rechtzeitig da waren und ich Inge Shabli vom Flughafen abholen konnte. Sie ist für eine Woche aus Deutschland hier zu Besuch gewesen, um mich in meinen Projekten zu erleben und um mit dem gesamten Verein (Carsten, Robert, sie und ich) am Wochenende ein Zwischenseminar zu machen.

Ich habe es sehr genossen, „meinen Vereinsgründern mein St. Petersbrug zeigen zu können“, mit ihnen zu reflektieren und vor allem auch, mich von ihnen noch weiter beraten zu lassen. Wir haben zwar produktive und anstrengende Arbeit geleistet, hatten aber auch eine schöne Zeit und gute Gespräche unabhängig von meinem Freiwilligendienst miteinander.

 

Am Dienstag den 8.März war übrigens Frauentag, der hier GANZ groß celebriert wurde. Ich hatte frei und war Montagabend tanzen und mir wurde von unzähligen – auch unbekannten- Menschen allerherzlichst dazu gratuliert. Schade, dass der Frauentag in Deutschland nicht so bedeutend ist – ich kam mir ganz besonders und auch besonders wichtig vor :)!

 

oben links: Josephine und ich auf dem Roten Platz; unten links: Caro auf dem Uni-Dach; oben rechts: Moskauer Metro; unten rechts: Gruppenfoto vom MIR-Zwischentreffen

oben links: Josephine und ich auf dem Roten Platz; unten links: Caro auf dem Uni-Dach; oben rechts: Moskauer Metro; unten rechts: Gruppenfoto vom MIR-Zwischentreffen