Neue Bewerbungsphase für 2012/2013 läuft!

Jeder, der sich für einen Freiwilligendienst mit uns interessiert oder sich einfach nur informieren möchte, ist herzlich eingeladen sich bei uns zu melden! Du kannst auch gerne direkt den Bewerberfragebogen in der Rubrik „Kontakt“ per Mail an uns senden.

Hier ein paar Impressionen aus unserem neuen Partnerprojekt – dem Psychoneurologischen Zentrum in Peterhof, einem Vorort von Sankt Petersburg. Carsten und ich haben das Internat kürzlich selbst besucht und uns die Arbeitsumstände angesehen. Unseren momentanen Freiwilligen vor Ort geht es sehr gut. Wir haben es als sehr spannendes Projekt mit viel Potential wahrgenommen und freuen uns noch mehr als vorher auf die neuen Bewerbungen und die Erfahrungen mit dem neuen Jahrgang!

Bericht vom Zwischentreffen von Inge Shabli

Was treibt eine 53 jährige Unternehmerin im Februar 2011 bei  minus 20 °C nach

St. Petersburg, Russland?

Sind es die herrlichen Prachtbauten, die wundervollen Sehenswürdigkeiten wie Heremitage, Blutskirche, Bernsteinzimmer oder gar die zugefrorene Ostsee? Ein bisschen von allem und dennoch nichts von all dem.

Es ist eine junge, liebenswürdige und engagierte Frau, Verena, die sie unbedingt in ihrer neuen, mittlerweile heimischen Umgebung erleben will.

Also flog ich, Inge Shabli, am Sonntag, den 27.02. nach St. Petersburg um unsere erste Freiwillige Verena zu besuchen. Herzlich empfing mich Verena und auch ich freute mich, sie nach mehr als sechs Monaten wieder zu sehen. Mit Maschrutka, einem der hier typischen privaten Kleinbusse und der Metro fuhren wir in die Freiwilligen-WG in der Uliza Wostanja. Hier, nahe des Zentrums, wohnt Verena gemeinsam mit Caro, die ebenfalls einen Freiwilligendienst in Zusammenarbeit mit der Caritas in St. Petersburg absolviert.

 

Montags früh hatte ich einen Termin mit Verenas Betreuer von der Caritas St. Petersburg, um zu erfahren, wie sie ihre Arbeit verrichtet und wie die Caritas Verena erlebt. Vadim versicherte mir, man sei mit Verena sehr zufrieden. Sie erleben sie  liebevoll, verantwortungsvoll und zuverlässig. Einen Tag in der Woche gibt Verena Französischunterricht in einer Tagesstätte für ca. 25  Kinder aus sozialschwachen Familien, dem „Ostrovok“. Die Projektleiterin Katja erzählte mir, dass sie etwas skeptisch war als sie Verena das erste Mal sah. Dazu muss man wissen, dass Verena nur ein klein bisschen größer ist als ich, also ungefähr 1,60 m groß und recht zierlich wirkt. Katja hatte Zweifel ob Verena sich bei den doch manchmal recht frechen Kids würde durchsetzen können. Verena habe jedoch schnell positiven Einfluss auf die Kinder gehabt. Sie sei sehr entgegenkommend, nett und offen und so habe sie es geschafft, dass einige Kinder ihre Französischnote um zwei Noten verbesserten. Also ein wirklich toller Erfolg. Nachmittags habe ich Verena ins Ostrowok begleitet und durfte erleben, wie die Kinder mit Verenas Hilfe am „Französisch büffeln“ richtig Freude hatten.


Am Dienstag ging ich mit Verena zusammen ins Dom Maletzkava,  dem Förderzentrum für Behinderte, wo erwachsene Behinderte täglich von Fachpersonal, wie z.B. einer Kunst- und Musiktherapeutin betreut werden. Verena unterstützt das Personal bei ihren Aufgaben. Gleich beim Eintreten bemerkte ich, wie Verena liebevoll, nett und respektvoll mit den Besuchern des Dom Maletzkava umging. Wir spielten alle gemeinsam Bingo. Als ein neuer Besucher etwas später dazukam, der sich bei Verena in einem, wie sie mir sagte, sehr höflichen Russisch vorstellte, ließ sie ihn ausreden, obwohl er sich bei ihr heute wohl schon öfter vorgestellt hatte. Als dieser später, weil er von den anderen geärgert wurde, den Stinkefinger zeigte, ermahnte ihn Verena, natürlich auf russisch, was auf mich sehr professionell, liebevoll und konsequent wirkte. Die Leiterin versicherte mir, dass Verena  nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei den Angestellten des Dom Maletzkavas sehr beliebt ist. Wir haben vereinbart, dass Verena in Zukunft mit den Besuchern eigene Ideen umsetzen soll. Ab März, wenn das Wetter endlich frühlingshafter wird, sollen einmal im Monat Ausflüge organisiert werden. An diesen soll Verena nicht nur als Begleitung teilnehmen, sondern darf diese auch gerne selbst mit planen und durchführen. Also auch in diesem Projekt leistet Verena gute Arbeit.

Am Mittwoch trafen Robert und Carsten ein. Gemeinsam besuchten wir den Verein Perspektiven um sich gegenseitig kennen zu lernen und  um unsere Zusammenarbeit ab September zu besprechen. Wir haben uns bei den Mitarbeitern und Projektkoordinatoren sehr wohl gefühlt, wurden herzlich und gastfreundlich empfangen und freuen uns auf die gemeinsamen Aufgaben ab September 2011.

Mittwochabend war dann Banjatag. Die beiden jungen Frauen, Verena und Caro nahmen mich mit in die Banja, eine typische russische Sauna. Einfach und dennoch sehr gemütlich. Die russischen Frauen gaben  mir sofort das Gefühl dazuzugehören. Eine Frau erklärte uns, dass wir die gekauften Birkenblätter in heißem Wasser einweichen müssen. Als wir dann in der sehr heißen Sauna zusammensaßen und der Schweiß nur so triefte, fingen die Frauen plötzlich an, sich mit den Birkenblättern zu schlagen. Also holten wir unsere auch und als Verena auf Caro einschlug, fing die doch sehr an zu schreien. Mutig versuchten Verena und ich es bei uns selbst und waren doch überrascht, dass es sich gar nicht so schlecht anfühlte.

Anschließend schmierten wir zuerst den mitgebrachten Kaffeesatz auf unsere Körper, massierten uns damit und sahen fast aus wie ein Mohr, dann abduschen und anschließend noch den köstlichen russischen Honig auf die Haut, so richtig lecker zum anbeißen. Sauber, gereinigt und genährt fuhren wir mit der Metro zurück in die Wohnung.

Donnerstag tagsüber machte ich mich alleine auf den Weg zur Heremitag und da jeden ersten Donnerstag im Monat freier Eintritt ist, war der Andrang groß. Alleine das Gebäude und die Ausstattung der Räumlichkeiten der Heremeitag sind so eindrucksvoll und großartig, dass es immer wieder einen Besuch wert ist. Abends trafen Verena, Robbi, Carsten und ich uns gemeinsam zum Essen. Dies war der Auftakt  für unser Zwischentreffen. Ein sehr schöner, gemütlicher und lustiger Auftakt.

Freitag früh ging es ganz offiziell mit unserem Zwischentreffen los – ein gemeinsames Frühstück und anschließend das Zwischentreffenprogramm mit den Themen:

1. Wie geht es mir?

2. Was hab ich/wir gelernt – was will ich/wir noch lernen

3. Gemeinsames Mittagessen bei und mit der Caritas

4. „Heißer Stuhl“

Gegen 21.30 Uhr beendeten wir den ersten Tag mit guten Erkenntnissen, Ideen, Anregungen und mit ein wenig Erschöpfung.

Samstagfrüh fuhren wir gemeinsam mit Dima von Perspektiven nach Peterhof, um dort unser neues Projekt kennen zu lernen, in dem unser nächster Jahrgang ab September 2011 arbeiten wird. An diesem Tag war eine Führung durch das gesamte Projekt organisiert, so dass wir die Station des Psychoneurologischen Internats PNI sehr ausführlich vorgestellt bekamen, mehrere Zimmer der Bewohner wurden uns gezeigt und dazu jeweils Info gegeben, der Werk-, Musik-, Kunst- und Ergotherapieraum bekamen wir zu sehen und waren erstaunt und erfreut zu sehen, wie die Bewohner des PNI gefördert, unterstützt und gepflegt werden.  Besonders berührt hat mich, dass die Mitarbeiter von Perspektiven mit den Bewohnern sehr liebevoll, respektvoll und achtsam umgehen. Als dann während der Führung ein Mann, kleiner als Verena, sich ihr näherte, ihre Hand nahm und einige Zeit mit ihr ging, wusste ich, dass wir ein wunderbares Projekt gefunden hatten, in das wir gerne unsere zukünftigen Freiwilligen senden werden. Ich freue mich schon, wenn Verena, die ab März einmal wöchentlich ins PNI geht, von ihren Erfahrungen berichten wird.

Mit Maschrutka fuhren wir wieder zurück nach St. Petersburg, um am Abend gemeinsam mit Anja, Verena’s Russischlehrerin, in die Oper zu gehen. Selbstverständlich hatte Anja uns eine russische Oper „Eugene Onegin“ ausgesucht, die durch die stimmliche Qualität, das fantastische Bühnenbild und das Ambiente des Mikahelovsky Theater’s überzeugte.

Sonntag stand Reflexion und Zukunft des Projektes, sowie Zukunft des Vereins und Rückblick auf das Zwischentreffen an. Anregend tauschten wir uns aus und mittels Rollenspiel übte Verena mit Carsten und Robbi, wie sie einen Besuch in der Oper mit den Besuchern des Dom Malezka am besten organisieren könnte. Selbstverständlich erfolgte das auf Russisch und da Robbi und Carsten die Gegebenheiten in St. Petersburg kennen, wurden spezifische Herausforderungen mit eingebaut. Verena schaffte jedoch diese Herausforderungen zu meistern. Ich bin also sicher, dass wir in einem der nächsten Berichte von einem erfolgreichen Besuch in der Oper gemeinsam mit ein paar Besuchern des Dom Maletzka lesen werden.

Alle vier waren wir uns am Ende des Tages einig, dass wir ein erfolgreiches, ergebnisorientiertes, anregendes, herzliches und erfülltes Zwischentreffen hatten.

Montagnachmittag flog ich zurück nach Deutschland, wo Dienstag meine Arbeit als Unternehmerin weiterging.

Das wunderschöne an meiner ehrenamtlichen Tätigkeit ist, die Entwicklung der jungen Menschen und ihr

Engagement mitzuerleben, sei es in den Projekten, in eigenen Aktivitäten oder im Verein.

Die Jugend ist unsere Zukunft und bei diesen tollen Jugendlichen können wir uns alle nur darauf freuen.

Inge Shabli

März 2011