Bewohner Nummer 147/03

Nichts spektakuläres passiert diesen Monat. Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Neuer Monat, neue Zuständigkeit so zu sagen. Zumindest fast.

Die Verlegungen von Bewohnern auf andere Stationen, wegen der Renovierung, steht so
weit fest und so wird es jetzt erst mal eine Weile bleiben. Aufgrund dessen haben wir die Zuständigkeit ein wenig abgeändert, um auch uns Freiwilligen die Arbeit zu erleichtern, damit wir nicht die Hälfte der Zeit mit hin und her rennen zwischen den Stationen verbringen. Ich bin jetzt für alle Frauen zuständig, die von unserer Station 3 nach oben auf Station 9 gezogen sind, die normalerweise von alten Frauen bewohnt wird. Oksana und Katja waren ja ohnehin schon dort untergekommen und jetzt habe ich noch zusätzlich eine andere Katja (aus Zimmer 7) die ich vorher schon mal für kurze Zeit hatte, Olga und Julia (die sehr fit ist) [Foto] dazu bekommen.
Der einzige Grund für mich noch auf unsere alte Station zu kommen ist Leila. Die Pädagogen haben sich gedacht, dass man uns jetzt auch nicht mehr trennen kann. Die Station 9 erinnert mich sehr an ein Altenheim. Es ist sehr ruhig und gemütlich. Die Wände sind tapeziert und nicht aus nacktem Beton, in den Sitzecken liegen Teppiche und alles ist ein wenig heller. Es gibt bequeme Sofas und das Personal ist deutlich weniger gestresst, was schon in der ersten Woche zu ersten Gesprächen geführt hat. Die gewonnene Zeit und Ruhe habe ich ausgenutzt, um mich sehr viel mit Katja zu beschäftigen. Ihr ging es dort oben am Anfang nicht besonders gut und sie hat oft geweint. Ich muss immer noch jeden Tag, wenn ich gehe Bescheid geben, dass sie gefesselt wird.
Und jeden Tag hoffe ich, dass die Sanitarka der ich Bescheid sage es schnell wieder vergisst oder sich viel Zeit lässt, damit ich nicht hören muss, wie Katja schreit, dass es über den ganzen Flur zu hören ist. Bei ihr bleiben kann ich auch nicht, weil ich immer rausgeschmissen werde, weil sie sich
dann angeblich noch mehr aufregt. Was sehr angenehm dagegen ist, dass die meisten  Mitarbeiterinnen mich schon mit dem Vornamen ansprechen. Mit manchen Mitarbeitern habe ich mich auch schon ein wenig unterhalten, was in den vorigen fünf Monaten auf Station 3 nie vorgekommen ist. Teilweise sehr nette, alte Frauen mit interessanten Lebensgeschichten. Ich bin
anscheinend so was wie ein Enkel auf der Station, dem man sein Leben erzählen kann. Nur leider (oder Vielleicht zum Glück) verstehe ich immer noch nicht jedes Wort. Ich denke meine Zeit auf der 9 wird sich auch auf mein Russisch positiv auswirken, da ich ja außer beim Mittagessen der Bewohner der einzige Freiwillige dort bin.

Die letzten zwei Wochen bestanden aus mehr Seminar als Arbeit. Vom 18.-23. war ich wieder in Nizhny Nowgorod auf dem Zwischenseminar vom „European Voluntary Service“. Und 28. und 29. vereinsinternes Zwischenseminar von Perspektiven. Oh.. ja.. Morgen (4.3.) ist Präsidentenwahl. Diktator Putin gegen Oligarchen Prochorov. Mit dabei noch ein Kommunist, ein Nazi und ein Putin-Surrogat. Die anderen interessanten Kandidaten wurden nicht zugelassen, mit den verschiedensten Ausreden. Naja. Ich freue mich auf die Demonstrationen und auf die Revolution… Ha ha.. Das war’s schon.

Monatsberich_Februar

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